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Book Review: User Stories Applied

“User Stories Applied” von Mike Cohn ist das zweite Buch aus der Addison-Wesley Signature Series, das ich euch – in Folge! – vorstellen möchte.

Der Autor sowie die Unterschrift von Kent Beck, welche das Cover schmückt, sind ein sicheres Indiz dafür, dass ich einen modernen Klassiker in Händen halte. Dem Verlag zufolge steht jede Signatur dafür, dass der:die Unterzeichner:in eng mit dem:der Autor:in an der Wahl des thematischen Schwerpunkts, dem Umfang und der didaktischen Aufbereitung sowie der allgemeinen Einzigartigkeit des Buches zusammengearbeitet hat.
Das Produkt der Zusammenarbeit dieser kongenialen Männer lässt sich wirklich sehen.

Das Konzept der User Story ist, wie viele agile Praktiken und Methoden, im Prinzip ganz einfach und theoretisch schnell erklärt. „Eine User Story beschreibt eine Funktionalität, die entweder für den:die Benutzer:in oder den:die Käufer:in eines Systems oder einer Software wertvoll ist“ (S.4).

Sie besteht aus drei Momenten:

  1. Einer verschriftlichen Beschreibung
  2. Einem Gespräch
  3. Der Formulierung einiger Test Cases, die den zufriedenstellenden Abschluss überprüfen sollen.

Fügt man dieser Definition noch eine Erläuterung zur Syntax (Wer, Was, Warum) und eine kurze Erklärung zum Konzept der Story Points hinzu, so hat man – basically – das Wissen erworben, mit dem wohl die meisten Scrum Teams erfolgreich arbeiten. User Stories sind ein Musterbeispiel für das in der agilen Community berühmt berüchtigte Pareto-Prinzip. Das Buch von Cohn zielt jedoch eindeutig auf die letzten 20 Prozent, die in dieser Praktik stecken.

Im ersten Abschnitt (ca. 80 Seiten) beschäftigt sich der Autor zunächst ausschließlich und ausführlich mit dem Anfertigen von guten User Stories. Dabei gelingt es ihm die in dieser einfachen Methode enthaltene Komplexität aufzuzeigen. So werden die verschiedenen Stellschrauben sichtbar, an denen man zur Verbesserung von User Stories drehen kann.
Anschließend stellt Cohn das User-Story-Schreiben in einen breiteren Kontext. Denn diese agile Praktik hilft nicht nur dabei den Kundenwert bei der Entwicklung im Blick zu behalten, sondern auch dabei die Komplexität (oder: Aufwand, Zeit usw.) der Aufgaben einzuschätzen und deren Bearbeitung (Reihenfolge, Zeitplan, Release usw.) zu planen. Zwar ist auch dieser Abschnitt sehr lesenswert – auch wenn ich das Kapitel “Measuring and Monitoring Velocity” eher schwach finde und in der agilen Community mittlerweile der Konsens “Escape Velocity” (Norton) herrscht – doch zeichnet sich Cohns einzigartiger Ansatz eher durch die darauffolgenden Abschnitte aus. Zunächst widmet er sich verschieden und häufig diskutierten Fragen rund um das Thema User Stories.

Für mich waren vor allem die Kapitel “What Stories Are Not” und “A Catalog of Story Smells” lehrreich. Da für das Konzept der “Best Practice” im Agilen Mindset kein wirklicher Platz ist, helfen mir persönlich Anti-Patterns in besonderem Maße beim Erlernen neuer Techniken. Für diejenigen Leser:innen, für die dieses Lernen durch Negativbeispiele zu abstrakt bzw. zu wenig konkret ist, wartet das “User Stories Applied” mit einem praktischen Beispiel auf. Anhand von diesem werden alle Erkenntnisse des Buches zusammengeführt und zusammengefasst.

Ein Buch, dessen Autor Mike Cohn ist und dessen Cover das Siegel von Kent Beck trägt, braucht natürlich keine Empfehlung meinerseits.

Nur so viel: Zu Chanukka werde ich mir selbst zukünftig folgendes Geschenken machen. Ich werde “User Stories Applied” meinem:meiner aktuellen Product Owner:in schenken. Denn wenn mein:e PO Cohns Überlegungen und Gedanken aufmerksam liest, dann spart mir das im Neuen Jahr viel Arbeit.

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