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Agile Methoden in der Energiebranche: Wo sie funktionieren – und wo nicht

Inhaltsverzeichnis

Genehmigungen, die länger dauern als die technische Umsetzung. Lieferfristen, die Projektpläne aushebeln. Vorgaben, die sich mitten in der Umsetzung ändern. Agile Methoden sollen helfen, damit umzugehen – aber funktioniert das auch in einer Branche, in der Milliardenstrafen drohen, wenn etwas schiefgeht? 

Warum klassische Projektmethoden in der Energiebranche scheitern 

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Jahrzehntelang war Energieplanung vorhersehbar: Strom kam aus dem Kraftwerk, Projekte folgten festen Plänen – von Volatilität kaum eine Spur. 

Diese Welt gibt es noch – aber sie passt nicht mehr zur Realität vieler Energieprojekte. Stattdessen trifft die Energiebranche auf ein Umfeld, das sich schneller verändert, als alte Pläne angepasst werden können. So stößt die klassische Planung, die in den vergangenen 50 Jahren zuverlässig funktioniert hat, nun an ihre Grenzen. 

Neue Technologien. Neue gesetzliche Vorgaben. Viele Projekte starten unter Bedingungen, deren Verlauf sich nicht kalkulieren lässt – anders, als es viele Projektverantwortlichen gewohnt waren. Wer dann versucht, mit alten Strukturen auf neue Herausforderungen zu reagieren, ist langsam und unflexibel. 

Es braucht neue Denk- und Arbeitsweisen – und die klassische Planung liefert sie nicht mehr. 

Warum agile Methoden für die Energiebranche unverzichtbar sind

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Genau hier setzt Agilität an: Wenn Projekte nicht mehr exakt planbar sind, weil Technologien sich noch entwickeln, politische Vorgaben sich laufend ändern oder Systeme unvorhersehbar reagieren – dann braucht es kein starres Konzept, sondern die Fähigkeit, Kurswechsel einzubauen.  

Und genau das ist mit agilen Methoden möglich. Das Team kann schnell auf veränderte Anforderungen reagieren, ohne den gesamten Projektansatz zu gefährden. Statt nach dem ersten Fehler aufwendige Neuplanungen durchzuführen oder Risiken zu verschleppen, erlauben sie aktives Gegensteuern – schon während der Umsetzung. 

Teams müssen keine Entscheidungen mehr auf Verdacht treffen oder ewig vor sich herschieben. Sie können iterativ vorgehen, Hypothesen testen, Ergebnisse auswerten – und auf dieser Basis den nächsten Schritt gehen. Gerade in dynamischen Kontexten mit vielen Unbekannten ist das kein „Nice to have“, sondern schlicht die realistischste Arbeitsweise. 

Aber zur Wahrheit gehört auch: Agilität funktioniert nur, wenn das Projekt den nötigen Spielraum bietet. Denn in Projekten mit starren Vorgaben – etwa bei regulierten EU-Ausschreibungen – ist sie nicht zielführend. Aber überall dort, wo Unsicherheit zur Tagesordnung gehört, bietet sie den nötigen Spielraum, ohne Struktur zu verlieren. 

Praxisbeispiel: Agile Methoden für den Bau eines Modelldorfs

Einer der größten Energieversorger Europas testete ein energieautarkes Siedlungskonzept – mit E-Mobilität, eigener Stromerzeugung und Batteriespeichern. Die Idee: ein Ort, der sich regelmäßig vom Netz trennt und komplett selbst versorgt. Was nach sauberem Plan aussah, wurde schnell unberechenbar. 

Die Kapazität der Solaranlage reichte nicht, die Ladezeiten der Fahrzeuge kollidierten mit Speicherzyklen, technische Komponenten spielten nicht zusammen. Das Team musste mehrfach zurückrudern, Entscheidungen revidieren, neue Wege ausprobieren – während das Projekt schon lief. 

Genau hier zeigt sich der Bruch mit klassischer Planung: Kein fester Projektplan hätte diese Realität vorhergesehen. Der einzige Weg war, Schritt für Schritt zu lernen und iterativ nachzusteuern – genau das macht Agilität möglich. 

Welche Projektarten profitieren besonders von Agilität? 

Nicht jedes Energieprojekt ist gleich und nicht jedes profitiert im gleichen Maß von agilen Methoden. Entscheidend ist, was das Projekt leisten soll – und wie viel Veränderung dabei zu erwarten ist: 

Forschungsprojekte → Kanban: Wenn es darum geht, Dinge auszuprobieren, die es so noch nie gab. 

Kontinuierliche Auslieferung → Scrum: Zum Beispiel bei Softwarelösungen im Energiehandel. 

Und ja – auch Skalierung funktioniert in der Energiebranche: Wir haben bereits SAFe und Spotify-Modelle unter echten Bedingungen umgesetzt. 

Wer also die passende Methode finden will, braucht mehr als Framework-Wissen; nämlich Praxiserfahrung aus echten Energieprojekten. Besonders deutlich wird das beim Thema Regularien – einer Herausforderung, die besonders auf die Energiebranche zutrifft. 

Regulatorische Rahmenbedingungen als Herausforderung für Agilität  

Im Energiesektor gelten klare Regeln: Dokumentationspflichten, Genehmigungsprozesse, technische Standards. Wer hier arbeitet, kennt sie – und weiß, dass sie den Handlungsspielraum bestimmen.  

Daher scheitern viele Maßnahmen nicht an fehlender Bereitschaft im Team – sondern am regulatorischen Rahmen. Freiheiten, wie man sie aus anderen Branchen kennt, gibt es hier schlicht nicht. Der Verstoß dagegen kann Milliarden kosten. 

Beratungen, die das ignorieren, stoßen auf Widerstand – oder scheitern. Man muss kein Energieexperte sein. Aber man muss wissen, in welchem Korridor sich Projekte bewegen können, sonst wirken gut gemeinte Empfehlungen schnell realitätsfern. 

Fazit 

Nicht jedes Projekt lässt sich agil steuern – und das sollte einem niemand schönreden. Gerade in der Energiebranche braucht es ein realistisches Verständnis dafür, wo Agilität funktioniert – und wo sie an Grenzen stößt. 

Aber dort, wo sich Rahmenbedingungen laufend ändern, wo technologische Entwicklungen mit Unsicherheiten verbunden sind oder wo klassische Planung nicht mehr greift, ist ein agiler Ansatz oft keine Frage der Methode – sondern der Notwendigkeit. 

Entscheidend ist, dass diejenigen, die Agilität einführen, die Besonderheiten im Energiesektor verstehen – und wissen, wie man mit Regularien, internen Strukturen und branchenspezifischen Anforderungen umgeht. 

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